www.maennercoach-hamburg.de  | Charlotte Lühmann | Tel: 040-325 308 63

DEPRESSION BEI MÄNNERN

Depressionen bei Männern werden seltener erkannt, als bei Frauen. Das bedeutet aber nicht, dass sie seltener vorkommen. Nur die Symptome sind oftmals andere..


Die heutige Informationsflut macht es immer schwieriger, wichtige von unwichtigen Dingen zu unterscheiden. Und sie nimmt viel Zeit in Anspruch. Und unsere heutige Leistungsgesellschaft tut ihr Übriges dazu. Die Anforderungen im Beruf werden immer grösser: Totale Erreichbarkeit, vielleicht schlechte Bezahlung oder mangelnde Entscheidungsfreiheit und Anerkennung.


Als dies kann bei einem Mann Hilflosigkeit und Überforderung auslösen. Beides absolute Tabuthemen für Männer. Denn ihr Selbstwertgefühl wird sehr stark von Leistung und Erfolg bestimmt. Das haben sie schon in ihrer Kindheit gelernt. Je stärker ein Mann also das klassische Rollenbild des „Mann seins“ verinnerlicht hat, desto stärker treffen ihn diese Situationen.


Hilflosigkeit entsteht, wenn Männer das Gefühl haben, sie können an der Situation nichts ändern. Sie haben die Kontrolle über ihr Leben verloren. Diese Hilflosigkeit äussert sich häufig in externalisierendem Verhalten. Denn nach aussen wollen sie ja um jeden Preis ihr Selbstbild wahren. Ausserdem hilft es, sich nicht mit ihren Gefühlen befassen zu müssen, die sie vielleicht selber gerade überhaupt nicht einordnen können. Sie spüren nur, dass sie sich schlecht fühlen, eine innere Leere sie umgibt. Externalisierendes Verhalten hilft also nicht nur, das Selbstbild nach aussen zu wahren, sondern auch diese Gefühle zu verdrängen.


Das kann dazu führen, dass sie plötzlich gefährlichen Hobbies nachgehen, noch mehr, noch härter, noch länger arbeiten, in blinden Aktionismus verfallen, exzessiven Sport treiben – oder sich zurückziehen.


Doch diese Gefühlsabwehr und dieser Versuch, wieder die Kontrolle über ihr Leben zu gewinnen, ist auf Dauer keine Lösung. Denn Körper und Psyche holen sich ihr Recht und machen sich irgendwann bemerkbar.

Nicht selten treten dann psychosomatische Beschwerden auf. Rückenschmerzen, Bandscheibenvorfälle, Magen-Darm-Probleme, Herz-Kreislauf-Probleme, Atembeschwerden sind nur einige der typischen Beschwerden.

Und trotz dieser Probleme versuchen Männer immer noch, weiterhin ihre Leistung zu erbringen, und das, obwohl sie durch die zunehmenden Beschwerden gar nicht mehr so leistungsfähig sind. Aber das können sich viele Männer nicht eingestehen. Kommen dann auch noch Ansprüche von anderen hinzu, birgt dies eine weitere Gefahr in sich, diese nicht erfüllen zu können. Und das kommt einem Scheitern gleich und damit einem möglichen Gesichtsverlust.

Auch unvorhergesehene Ereignisse wie die Trennung vom Partner, der Tod eines wichtigen Menschen, Jobverlust, Krankheit, aber auch die Geburt eines Kindes oder eine neue Liebe können einen Mann in eine schwere Identitätskrise bringen.


Die Gefühle von Trauer, Hilflosigkeit, Ängste, Überforderung kommen an die Oberfläche. Diese Gefühle in Schach zu halten, können bei Männern zu blindem Aktivismus führen, um nach ausen ihr Selbstbild zu wahren und diese Gefühle nicht zu spüren.


Die Gefühlsabwehr ist bei Männern – bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger – stark ausgeprägt. Sich damit auseinanderzusetzen bedeutet für einen Mann eine große Herausforderung, die er nur selber aktiv angehen kann.


Kriterien der Männerdepression nach William Pollack modifiziet von Prof. Dr. M. Waltersdorf

- Vermehrter sozialer Rückzug, der oft verneint wird

- Berufliches Überengagement, das mit Klagen über Stress markiert wird

- Abstreiten von Kummer und Traurigkeit

- Zunehmend rigide Forderungen nach Autonomie (in Ruhe gelassen werden)

- Zunehmende Intensität oder Häufigkeit von Wutanfällen, Impulsivität

- Hilfe von anderen nicht annehmen: „Ich kann das allein-Syndrom“

- Ab- oder zunehmendes sexuelles Interesse

- Vermehrter bis exzessiver Alkoholgenuss und/oder Nikotin- oder Drogenkonsum oder Sport, Fernsehen, Spiel

- Ausgeprägte Selbstkritik, bezogen auf vermeintliches Versagen, Versagensangst

- Andere für die eigenen Probleme verantwortlich machen

- Verdeckte oder auch offene Feindseligkeit

- Unruhe und Agitiertheit

Hinzu kommen oftmals noch einige der typischen despressiven Symptome:

- Apptit, Schlaf- und/oder sexuelle Störungen

- Schnelle Erschöpfbarkeit

- Grübeln

- Gefühle von Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit

- Der kommende Tag macht ebenso Angst wie die Zukunft

- Sie fühlen sich ihrem Beruf nicht mehr gewachsen und wollen keinen Menschen mehr sehen

- Kein Empfinden von Freude über das, was sie einst glücklich gemacht hat

- Motivation und Antrieb fehlen

- Das Leben erscheint trostlos und trist

- Innere Leere


Depressionen bei Männern werden viel seltener erkannt